GEMA Soundfile Upload

Wir haben ein umfassendes Protokoll des Treffens der DEFKOM AG „Sound File Upload“ mit den Vertretern der GEMA, von ARD und ZDF und BMAT erstellt. Die Lektüre sollte schon mal einige Fragen zum Thema beantworten.
 
Die DEFKOM AG ist mit einem umfangreichen Fragenkatalog nach Berlin angereist.
Nach dem Treffen haben wir die jeweiligen Antworten von BMAT / GEMA und den Öffentlich-Rechtlichen an die Fragen angehängt. Es wurde eine laaaaaaange Liste von Fragen mit den zugehörigen Antworten der Experten von BMAT, ARD, ZDF und GEMA.

 

1. KURZE EINLEITUNG

Fangen wir an mit dem Hinweis: Keine Panik!
 
Die GEMA rechnet weiterhin ab gemäß Verwertung und Verteilungsplan. Also, wenn Musik genutzt bzw. gesendet wird, muss weiterhin erfasst und ausgeschüttet werden, Fingerprint hin oder her. Wir haben Anspruch auf Erhalt unserer Tantiemen von der GEMA auf Basis von Urheberrechtsgesetz, von VGG (Verwertungsgesellschaftsgesetz) und auf Basis des Berechtigtenvertrages mit der GEMA. Es gelten auch weiterhin die Satzung und der Verteilungsplan der GEMA. Ebenso die Meldeverpflichtung der Sender bleibt nach wie vor bestehen
 
Wer diese Texte im GEMA Jahrbuch gelesen und verstanden hat, ist ganz erheblich im Vorteil. Demnach sind die Nutzer unserer Werke, hier die öffentlich-rechtlichen Sender, verpflichtet, Nutzungen präzise und vollständig an die GEMA zu melden, ganz egal, welche Technik sie dazu benutzen.
 
Dieser Hinweis scheint uns notwendig, da in letzter Zeit einige überbesorgte Kolleginnen und Kollegen das Ende der TV und R Ausschüttungen kommen sahen und sich erhebliche Sorgen um ihr Bankkonto machten, natürlich mit empörtem Blick auf die GEMA.
 
Aber…, die Umstellung auf Monitoring bei ARD und ZDF ist eine Entscheidung und ein Verfahren der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland und nicht der GEMA. Es sind die Ö/Rs, die einen Vertrag mit BMAT haben, und an die BMAT berichtet.
 
Die GEMA kommt ihren Mitgliedern lediglich entgegen und richtet als Service das Hochladen von Sound Files zentral im Hause ein. Von dort gehen die Sound Files und die zugehörigen Metadaten nicht nur an BMAT, sondern auch an alle weiteren Monitoringportale, wie Sound Mouse, Yacast (Clubmonitoring), etc… Nutzungen Eurer Werke dort werden also in Zukunft auch erfasst, und man muss den Upload Vorgang nicht mehrfach für alle derzeitigen und zukünftigen Portale vornehmen.
 
Weiterhin begleitet die GEMA die Öffentlich-Rechtlichen Sender bei der Umstellung auf das neue Meldesystem. Die GEMA als Abnehmer der Sendemeldungen führt eine umfangreiche Qualitätssicherung der gemeldeten Daten durch.
 
Aber zurück zu den Ö/Rs und dem BMAT Monitoring:
 
Die "Meldungskette" ist wie folgt: BMAT schickt den Sendern die im Programm gefundenen Musiken, die Sender melden diese als genutzt an die GEMA. Bei "unknown music" oder sogenannten „blanks“ (das sind Stücke, von denen keine Audiofiles hochladen worden sind und von denen BMAT daher keine Fingerprints bekommen hat) müssen die Sender /Redaktionen manuell nachbessern und gemäss den bisherigen Verfahren einfügen.
 
Alte fiktionale Produktionen (vor 2019) werden weiterhin mit AV-Liste abgerechnet. Natürlich empfiehlt es sich die zugehörigen Musikstücke ebenfalls hoch zu laden. Somit werden Nutzungen auf allen Sendern gründlicher und in Zukunft kostengünstiger erfasst.
 
Wenn Sound Files hochgeladen sind, kann das BMAT System auch solche Sendungen auffinden, die von den Sendern falsch oder überhaupt nicht gemeldet worden sind.
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An dieser Stelle fügen wir einen Tipp des DEFKOM FGL-Mitglieds Hans P. Ströer ein. (Es handelt sich hier um eine persönliche Meinungsäußerung, und nicht etwa um eine Rechtsberatung):
 
Der Soundfile-Upload ersetzt nicht die GEMA-Anmeldung für Werke und AV-Produktionen. Sie ist auch weiterhin erforderlich.
 
Bitte seht dazu das Infoblatt der GEMA zur „Anmeldung für Audiovisuelle Produktionen (AV-Produktionen)“ in aktueller Fassung. Es steht zum Download auf der GEMA Webseite bereit.
 
„Ich persönlich lasse mir grundsätzlich nach jeder Filmhauptmischung den Sendeton als stereo wav file zusenden, lege dieses zum Bild an, erstelle auf dieser Basis ein endgültiges, tatsächliches Cuesheet und unterschreibe es. Daraus errechne ich die Gesamtmusikdauer meiner Kompositionen, die ich in das GEMA AV-Anmeldeformular eintrage. Das unterschriebene Cuesheet sende ich zusammen mit dem ausgefüllten AV-Formular an die GEMA. Damit habe ich zwei rechtsgültige Dokumente erzeugt, die jeder Prüfung durch Juristen und Musiksachverständige standhalten, und aus denen mit dem GEMA Verteilungsplan, mit den Senderkoeffizienten und den Minutenwerten mein Zahlungsanspruch an die GEMA errechnet werden kann. Es fehlen dann nur noch Zeugen, die gesehen haben, dass die betreffende Ausstrahlung tatsächlich erfolgt ist.“
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Auf einen Effekt des Monitorings weisen wir noch hin bevor wir zum Protokoll des Treffens kommen:
 
Wenn identische Musikstücke mehrfach oder gar in verschiedenen Produktionen verwendet wurden, wird das zukünftig auffallen. Zunächst mal ist das kein Problem, denn was gesendet wurde, wird auch sekundengenau an die Autorin oder den Autor abgerechnet. Problematisch wird es, wenn das identische Stück mit verschiedenen Rechteinhabern (z.B. Verlagen) mehrmals vorhanden ist, und dann z.B. einmal als Original-Score mit Manuskript, und danach als Zweitauswertung mit Verlag auftaucht.
 
Das ist allerdings keine technische, sondern eine rechtliche Frage, die auch bisher schon relevant war. Normalerweise erwirbt ein Verlag mit Unterzeichnung des Verlagsvertrags Anspruch auf Beteiligung an allen Nutzungsarten, egal ob Erst- oder Zweitverwertung. Ein Werk ist entweder verlegt oder nicht. Möglicherweise kann im Verlagsvertrag privat­rechtlich eine Ausnahme von dieser Regel vereinbart werden. Der entsprechende Zahlungsausgleich müsste dann wohl zwischen Urheber und Verlag privat erfolgen, denn die GEMA hat keine derartigen Rubriken im Verteilungsplan. Auf die im Filmmusikvertrag möglicherweise vereinbarte Exklusivität der Musik sei an dieser Stelle auch nochmal hingewiesen.
 
Jedenfalls kann es vorkommen, daß Nachfragen zu identischen Musikstücken mit verschiedenen Titeln in Zukunft entstehen. Delikat wird es dann, wenn man z.B. ein Musikstück in Film A mit Verlag Y, dann nochmal als Production Music bei Verlag X verwendet hat. Dies ist aber, wie gesagt, nicht die Schuld des Monitoringverfahrens und schon gar nicht der GEMA, sondern des Autoren oder der Autorin, die doppelt Rechte vergeben haben. Es bleibt abzuwarten mit welcher Toleranz oder welchem Humor Verlage das sehen werden.
 
2. PROTOKOLL
 
Treffen der DEFKOM AG „Sound File Upload“ am 09.12.2019 in der GEMA Berlin
 
Monitoring von TV-Auftrags- und Eigenproduktionen bei ARD und ZDF
 
In der DEFKOM Skype Sitzung der Fachgruppenleitung am 26. 11. 2019 war beschlossen worden eine Arbeitsgruppe „Fingerprinting / Soundfile Upload“ zu gründen (siehe Bericht Protokoll im ersten Teil des Dezember Newsletters). Aufgabe dieser AG soll es sein, die DEFKOM Mitglieder kompetent über die vielen Fragen zu informieren, die sich beim neuen Monitoringsystem von Auftrags- und Eigenproduktionen der ö/r. Rundfunkanstalten ergibt.
 
Die AG hatte zunächst die beiden für das Verfahren Verantwortlichen innerhalb der GEMA, Herrn Grittke und Herrn Kindermann, angesprochen und um Informationsaustausch gebeten. Die beiden GEMA Mitarbeiter nahmen das zum Anlass eine größere Runde in die GEMA Berlin einzuladen, die zusätzlich die zuständigen Experten aus ARD und ZDF und Vertreter der ausführenden Firma BMAT in Barcelona umfasste.
 
Das Treffen fand dann am 09.12.2019 in der GEMA in Berlin statt. Besonders erfreulich war, dass sogar der CEO von BMAT, Herr Pedro Cano zusammen mit einer weiteren Mitarbeiterin extra zu diesem Termin aus Barcelona angereist war.
 
Anwesend waren:

Jens Kindermann GEMA, Abt.Leiter Produkte
Marc Grittke GEMA, Abt.Leiter Musik Reporting Support
Kathrin Poske GEMA Soundfile Upload
Stephanie Ueberle GEMA, Abt.Leiterin Verteilung Senderechte
Burchard Röper GEMA, Koordinator Musikmeldungsprozess
Pedro Cano BMAT mit einer weiteren Mitarbeiterin
Uli Geiger HR
Rüdiger Sasse ZDF
Micki Meuser DEFKOM
Jochen Schmidt-Hambrock DEFKOM
Mario Lauer DEFKOM
Hans P. Ströer DEFKOM
Marcel Barsotti DEFKOM (per Videokonferenz)
Markus Lehmann-Horn DEFKOM (per Videokonferenz)
 
Das dreistündige Gespräch verlief in guter Atmosphäre, und wir sechs DEFKOM-Vertreter konnten unseren gesamten Fragenkatalog Punkt für Punkt abarbeiten. Pedro Cano hat uns zudem angeboten, auf Einladung der DEFKOM gerne zu einer Info-Veranstaltung für unsere Mitglieder nach Deutschland anzureisen. Und er hat uns eingeladen, zu BMAT nach Barcelona zu kommen, um dort eine Vorführung des Monitoring-Systems zu erleben.
 
Zu Beginn erhielten wir folgende Informationen:
 
1. Die Integration des BMAT Monitorings bei den öffentlich-rechtlichen Sendern (TV und Hörfunk) wurde 2016 begonnen und wird 2019 abgeschlossen sein.
 
2. Das BMAT Monitoring funktioniert mit einer Treffergenauigkeit von über 98 Prozent.
 
Somit sind alle nachfolgend detailliert aufgelisteten Antworten auf Basis dieser Kernaussagen zu verstehen.
 
Darüber hinaus haben wir folgende Informationen erhalten:
 
BMAT zeichnet die Programme aller beteiligten Sender rund um die Uhr auf und speichert sie. Es wird nicht in „real time“ ge-monitored, sondern später. Somit können auch zu einem späteren Zeitpunkt sogenannte „Rescans“ durchgeführt werden. Das Verfahren ist genauer und günstiger.
 
An dieser Stelle soll nochmal erwähnt werden, dass die GEMA den Soundfile-Upload-Service über das GEMA Soundfile Upload Portal
 
https://www.gema.de/musikurheber/online-services-fuer-gema-mitglieder/soundfile-upload/
 
für ihre Mitglieder kostenfrei durchführt und die dabei entstehenden Daten und Metadaten an ALLE derzeitigen und zukünftigen Monitoringportale weiterleitet: Das sind zur Zeit außer BMAT auch noch SoundMouse und Yacast.
 
Unabhängig davon kann jedes GEMA Mitglied selbständig direkt bei BMAT einen kostenpflichtigen, persönlichen Account eröffnen und Sendungen seiner eigenen Werke auch weltweit überwachen und in einem jährlichen Controlling-Report auflisten lassen.
Dies entspricht der Arbeit, die ein guter Verlag als „International Income Tracking“ macht bzw. machen müsste, ist jedoch in aller Regel kostengünstiger.
 
3.) Fragen der DEFKOM / Antworten von BMAT, ARD, ZDF und GEMA
 
A. (Prozessorientierte) Fragen an GEMA und die Sender:
 
1. ALLGEMEINES
 
Frage 1.1.
Die Kommunikation mit der GEMA und die Information über das Thema Monitoring könnte besser sein: Verantwortliche, Testergebnisse, Zeitabläufe, Zukunftsperspektiven...
Gleiches gilt für die Sender, sowohl ÖR, als auch Private: Wer ist federführend? Wie ist der aktuelle Stand des Projektes?
 
Antwort 1.1
Informationen über das Thema Monitoring wurden bereits am Rande der MV 2019 in Workshops angeboten. Ein FAQ und eine Bedienungsanleitung für den Soundfile Upload sind auf der GEMA Webseite abrufbar. Ein neues Infoblatt zum Thema wurde am 13.12. von der GEMA per Mail versendet und findet sich auch auf der GEMA Website:
 
https://www.gema.de/aktuelles/news/ard-zdf-audiofingerprinting-informationen-zum-musikupload-in-das-neue-musikerkennungssystem/.
 
Die Kommunikation soll ab sofort verbessert werden, das heutige Meeting soll als Auftakt zu einer gemeinsamen Überwindung der Anfangsprobleme aufgefasst werden. Ein neuer, gesonderter Kommunikationskanal zur GEMA speziell betreffend Soundfile Upload und Monitoring wird eingerichtet.
 
Frage 1.2.
Einige Produktionsfirmen stehen bereits jetzt auf dem Standpunkt, dass sie keine Musikmeldungen mehr abgeben müssen - was sich auch aus dem „Merkblatt zum Audiofingerprinting-System“ (s. Anhang S.6) des ZDF ergibt. Ist dies tatsächlich so? Und wenn ja, ist dies wirklich sinnvoll? Stichworte: Auslandsverkäufe, alternative Schnittfassungen und v.a. eventuelle Konfliktklärungen…
 
Antwort 1.2
Herr Sasse vom ZDF bestätigt das. Im Vertrauen auf die perfekte Funktion des BMAT Monitorings kann in Zukunft auf Musikmeldungen verzichtet werden, wenn die im Film verwendeten Cues über den Soundfile Upload hochgeladen worden sind. Das BMAT System kann während des Monitorings (während der Ausstrahlung) aus dem Soundmatch und den Metadaten ein sekundengenaues Musik-Cuesheet erstellen.
 
Frage 1.3.
Nochmal zur Erklärung: Welche Rolle spielen die AV-Werknummern im geplanten Ablauf?
 
Antwort 1.3
Die AV-Werknummern bleiben in den Metadaten gespeichert und werden vor allem bei alten Produktionen herangezogen.
(Siehe auch 3.3)
 
Frage 1.4.
Was ist letztendlich entscheidend: die „getrackte“, erkannte Musiklänge oder die Angabe in der AV-Meldung?
 
Antwort 1.4
Im Vertrauen auf das präsize Funktionieren des BMAT Monitorings wird ab sofort (seit Erfassung zum 1.1.2019) die gescannte Musiklänge für die Ausschüttung entscheidend sein. Wenn keine Soundfiles hochgeladen wurden, wird auf die AV-Meldung zurückgegriffen.
(Siehe auch 3.3)
 
Frage 1.5.
Welche Auswirkung hat die Zuordnung zu bestimmten Kategorien im CSV-System (z.B. „commissioned_type“) auf die spätere Verteilung?
Wozu ist diese Aufteilung überhaupt nötig?
 
Antwort 1.5
Die Angabe in der Spalte "commissioned type" legt bei Auftragskompositionen fest, an wen das Soundfile von der GEMA weitergeleitet werden darf. Sie ist ein Filter, der rechtlich notwendig ist.
 
2. ZEITLICHER ABLAUF DES PROJEKTES
 
Frage 2.1.
In welchem Maß werden die in Zukunft aus Spanien bei der GEMA eingehenden Daten tatsächlich abrechnungs- und damit ausschüttungsrelevant für die GEMA Verteilung, bzw. zu welchem Zeitpunkt sollen sie es werden?
 
Antwort 2.1
Ab der Meldungsgenerierung für das 2. Halbjahr 2019. ZDF sogar schon ab Mai 2019.
 
Frage 2.2.
Wann gibt es erste verbindliche Testphasen und Informationen über Abrechnungsmodalitäten seitens der Sender und der GEMA?
 
Antwort 2.2
Die Einrichtung des des Monitoringprojekts ARD/ZDF wurde 2016 begonnen und wird zum Ende des Jahres 2019 weitgehend abgeschlossen sein. An den Abrechnungsmodalitäten gemäß Verteilungsplan der GEMA wird sich nichts ändern.
 
Frage 2.3.
Wie lange werden das bisherige System und das neue Fingerprinting-basierende System definitiv noch parallel laufen? Laut dem in 1.2. erwähnten Anhang zum Komponistenvertrag (s. Anhang S. 6) verpflichtet das ZDF die Auftragsproduzenten bereits jetzt zum Upload der Auftragskomposition-Audio Files. Er kann dies auch verpflichtend den Komponisten übertragen. Bedeutet diese Vereinbarung nicht, dass bereits jetzt der bisherige Weg nicht mehr vom Sender akzeptiert wird?
 
Antwort 2.3
Das bisherige System wird für alte Filme, deren Musik nicht hochgeladen werden kann, zeitlich unbegrenzt weiterlaufen. Es wird auch für neue Filme so lange parallel weiterlaufen, bis der Übergang zum neuen System weitestgehend fehlerfrei vollzogen ist. Dies ist eine Frage, ab wann alle Soundfiles vorliegen, um ein vollständiges Audiofingerprint-Monitoring durchzuführen.
 
An dieser Stelle können wir auch auf die GEMA FAQs verweisen. Es gibt mit Umstellung auf das neue Meldesystem ab dem zweiten Halbjahr 2019 drei Wege, wie Nutzungsmeldungen generiert werden:
a) Die Sender generieren Nutzungsmeldungen mittels Audiofingerprint-Technologie.
b) Die GEMA liefert AVW Nummern (GEMA Identifikator) für filmische Produktionen, auf deren Basis die Nutzungsmeldungen von den Sendern erstellt werden.
c) Eine manuelle Nacharbeit durch die Sender bei unerkannten Musiknutzungen im gemeinsamen Musikmeldesystem der öffentlich-rechtlichen Sender ermöglicht entsprechende Meldungen.
 
Frage 2.4.
Ist überhaupt irgendwann an eine Deadline gedacht, nach der ausschließlich das Monitoring-System gelten wird? (Aus dem ZDF verlautet dazu, dass ab 1.1.2020 definitiv nur noch mit dem neuen Monitoring gearbeitet werden soll.)
Und wenn ja, was passiert dann voraussichtlich mit allen nicht trackbaren Titeln in der Abrechnung?
 
Antwort 2.4
Ab Mai 2019 liefern die öffentlich-rechtlichen Sender mit dem neuen Meldesystem auf Basis Monitoringtechnologie. Die Deadline ist somit schon erfolgt. Der 1.1.2020 ist nicht korrekt. Zusätzlich wird bei „Unknown Music“, also bei nicht erkannten Musikstellen im TV noch auf die AV Meldung zurückgegriffen. Für nicht trackbare Titel muss eine Nacharbeit erfolgen bei BMAT oder in den Sendern. (Siehe auch 2.1, 2.2, 2.3)
 
Frage 2.5.
Hat die GEMA vertraglich abgesichert, dass auch in Zukunft bei fehlenden Fingerprints eine Nutzung durch die Sender gemeldet wird?
 
Antwort 2.5
Ja. Weiterhin gelten die vertraglichen und rechtlichen Meldungspflichten für die Lizenznehmer - unabhängig vom Einsatz des Monitorings.
 
3. UPLOAD-PROZESS
 
3.1.
Was ist sinnvoller: Der Upload alle einzelnen Cues eines Scores oder der Upload des kompletten Stereo-Files inklusive aller Pausen?
 
Antwort 3.1
Der Upload aller einzelnen Cues eines Scores ist sinnvoller. Bei Upload des kompletten Stereo-Files inklusive aller Pausen hat das System Probleme Cues eindeutig zu erkennen, insbesondere Pausen innerhalb von Cues können zu Fehlern führen. Ausserdem fehlen beim Tracking eines filmlangen Stereo-Files logischerweise die Metadaten zu den einzelnen Cues. Bei bereits gesendeten Werken kann allerdings, insofern es sich ausschließlich um die Auftragskomposition handelt, ein gesamtes File pro Film hochgeladen werden, worauf auch im aktuellen Handout der GEMA zum Monitoringverfahren hingewiesen wird.
 
Frage 3.2.
Die beste Voraussetzung für ein gelingendes Tracking bieten im Film- und Serienbereich wohl die nach der Filmmischung ausgespielten separierten Musikspuren (z.B. IT-Mischung). Bei allen bereits gesendeten Eigen- und Auftragsproduktionen müssten diese eigentlich als Teil der obligatorischen Produktionsmaterialien schon den Sendern vorliegen. Im Gegensatz zu den Urhebern, die nur in Ausnahmefällen im Besitz einer Ausspielung sind. Es wäre also sinnvoll, dass der Upload in diesen Fällen durch den jeweiligen Sender durchgeführt würde. Ist dies angedacht?
 
Antwort 3.2
Nein, siehe 3.1
Bereits von den Sendern hochgeladen sind alle Musikstücke aus den Archiven der Sender.
 
Frage 3.3.
Was ist mit unvollständigen Scores? Also, wenn nur noch Teile der Filmmusik vorliegen?
 
Antwort 3.3
Solche Filme werden über die AV-Nummern gemeldet und abgerechnet.
(Siehe auch 1.3, 1.4)
 
Frage 3.4.
Der Upload-Prozess verlangsamt sich bei größeren Werk- und Datenmengen zunehmend. Dazu ist die Darstellung bei größeren Listen unübersichtlich und zu reduziert, der Korrekturprozess kompliziert und zeitraubend und die Suchfunktion quälend langsam.
Gibt es Aussicht auf eine Verbesserung?
 
Antwort 3.4
Das kann früher vorgekommen sein, ist aber jetzt kein Problem mehr bzw. wird sukzessive verbessert.
 
Frage 3.5
Die ARD besteht bei Werken ab 2019 darauf, dass die Audio-Files ausschließlich über ihr eigenes Portal hochgeladen werden. Leider ist die Benutzerfreundlichkeit nicht besonders hoch, so gibt es z.B. noch keinen Masseneditierungsmöglichkeiten, was bedeutet, dass im Prinzip jeder Cue einzeln hochgeladen werden muss. Wird sich daran etwas ändern?
 
Antwort 3.5
Dass Problem wurde und wird auch aktuell noch von der GEMA angesprochen, sie hat auf den Ablauf innerhalb der Sender aber nur beschränkten Einfluss. Das Angebot, den gesamten Upload über das GEMA-Portal vorzunehmen, besteht allerdings uneingeschränkt und mit ihr die Hoffnung, dass sich die ARD zumindest, was die Benutzerfreundlichkeit betrifft, am Beispiel des GEMA-Portals orientiert.
 
4. KONFLIKTE/REKLAMATIONEN
 
Frage 4.1.
Wer trifft bei Unstimmigkeiten und Monitoringkonflikten die Entscheidung? Die Redaktionen? Die Honorar- und Lizenzabteilungen? Eine eigene Abteilung?
 
Antwort 4.1
Die Verantwortung für die korrekte Meldung liegt weiterhin - für alle Meldungsinhalte - beim Lizenznehmer. Sollte es zu Konflikten kommen oder Cues nicht identifiziert werden können, werden Werke auch in Zukunft durch spezielle Abteilungen in den Sendern bearbeitet, die das BMAT-Reporting Tool überwachen.
 
Frage 4.2.
Was passiert bei nicht gelösten Konflikten mit der Abrechnung? Stillstand? Wenn ja, würde dann bei einem einzelnen Konflikt innerhalb eines gesamten Scores die Auszahlung des gesamten Scores eingefroren?
 
Antwort 4.2
Bei FS kein totaler Stillstand, sondern nur bezogen auf den betreffenden Cue. Bei T und T-FS Stillstand bezogen auf den ganzen Film, bis der Konflikt beseitigt ist. Eine Sendemeldung geht von den Sendern an die GEMA, sobald mindestens 80% der Cues eines AV-Werkes zweifelsfrei erkannt sind.
 
Frage 4.3.
Wird es eine schnelle technische Möglichkeit geben, bestehende Monitoring-Konflikte, z.B. bei „Dubletten“ oder identischen, aber mehrfach unter verschiedenen Namen angemeldeten
Werken (z.B. bei Serien) aufzulösen?
Ist dies auch für nicht gemeldete, aber gesendete Werke möglich?
 
Antwort 4.3
Das ist kein Problem, da die korrekten Metadaten für die Abrechnung entscheidend sind.
 
5. MÖGLICHE KOMPLIKATIONEN
 
Frage 5.1.
Gerade bei Serienfolgen liegen immer öfter nur wenige Tage zwischen Filmmischung und Ausstrahlung. Die Gefahr, dass zum Sendetermin noch keine Uploads vorliegen, ist dabei entsprechend hoch. Ist die grundlegende Funktionalität des neuen Systems auch in solchen Fällen gewährleistet?
 
Antwort 5.1
Dieses Problem ist bekannt und wird derzeit noch diskutiert, eine Lösung wird gesucht.
BMAT zeichnet sämtliche Sendungen aller Sender rund um die Uhr auf und hat die Möglichkeit, auch mit zeitlichem Abstand einen sogenannten "Rescan" von Sendungen durchzuführen, bei denen das Monitoring aufgrund fehlender Soundfiles "Unknown Music" erkannt hat.
Die vertraglichen Meldepflichten haben sich nicht geändert.
 
Frage 5.2.
Wie wird mit fehlerhaften Angaben beim Upload verfahren? Z.B. fehlerhafte Werknummern in CSV-Tabellen.
 
Antwort 5.2
Es werden immer alle Metadaten eines Soundfiles bei der Zuordnung in er GEMA berücksichtigt. Die fehlerhafte Werknummer allein stellt noch kein Problem dar.
 
Frage 5.3.
Die Kategorisierungen im CSV-System (z.B. „commissioned_type“) sind im Vergleich zu BMAT selbst, aber auch der GVL sehr eng gefasst. Warum?
 
Antwort 5.3
Sie enthalten nur die für die GEMA relevanten möglichen Zielorte für das Soundfile.
 
Frage 5.4.
Kann eigentlich irgendwer fremde Soundfiles hochladen und sie dann als seine eigenen anmelden?
 
Antwort 5.4
Ja. Eine sogenannte "Fraud Detection", die solche widerrechtlichen Vorgänge aufdecken kann, ist in Arbeit. Nach Auffassung von Herrn Kindermann kommt es bei einem Upload eines bereits vorliegenden Soundfiles zu einem Konflikt, der bereits jetzt zu einer Klärung führt.
 
6. VERNETZUNG MIT GEMA-WERKDATENBANK/AV-MELDUNG
 
Frage 6.1.
Wann wird die angedachte Vernetzung mit der GEMA-Werkdatenbank und dem Soundfile Upload funktionieren?
 
Antwort 6.1
Im Lauf des ersten Halbjahrs 2020.
 
Frage 6.2.
Wird es dann einfach möglich sein, dem Ergebnis einer Werksuche direkt ein Soundfile zuzuordnen – natürlich nur mit entsprechender Autorisierung (vgl. 5.4)?
 
Antwort 6.2
Ja.
 
7. VERSCHIEDENES
 
Frage 7.1.
Ist anstelle der herkömmlichen Musikmeldung ein Upload für die Nutzer der Musik vorgesehen? Der Nutzer, z.B. die Cutterin einer Reportage legt ein Projekt an und lädt alle verwendeten Titel selbst hoch. Dann könnte das System über das Tracking eine Musikliste für eine AV-Produktion automatisch erstellen.
 
Antwort 7.1
In dieser Form nicht. Allerdings wird z.B. beim SWR darüber diskutiert, eine eigene exklusive Datenbank mit immer wieder benutzbaren Titeln zu bilden, um besonders tagesaktuelle Produktionen schnell und so fehlerfrei wie möglich bearbeiten zu können.
Keine gute Neuigkeit, da dies die Redakteure und Editoren wesentlich in Ihrer kreativen Freiheit beschränken würde. Und natürlich auch für uns die Möglichkeit mit eigenen Cues in diesen Produktionen vertreten zu sein, deutlich einschränken würde.
 
Frage 7.2.
Kann die GEMA die bereits von Phononet/Musik Promotion Network an BMAT übermittelten Trackdaten (audiofiles, EAN-Nr. ISCR-Codes, Textdateien) übernehmen, um Dubletten zu vermeiden?
Dasselbe gilt für die GVL-Dateien (labelsys/artsys).
 
Antwort 7.2
Die GEMA ist nicht berechtigt, auf die Audiofiles und Metadaten von Phononet oder der GVL zuzugreifen. Allerdings bearbeitet BMAT diese Daten und wertet sie aus, so dass die Ergebnisse der GEMA vorgelegt werden.
 
B. (Eher technische) Fragen an BMAT:
 
Frage 1.1.
Wie arbeitet BMAT eigentlich, mit welchen Systemen, mit welcher Trefferquote?
 
Antwort 1.1
Das BMAT System wurde bereits in Workshops am Rande der GEMA MV 2019 vorgestellt. Es arbeitet mit Analyse und Abgleich von zum Teil modifizierten Audio-Wellenformen. Es werden jeweils unterschiedliche Setups für unterschiedliche Klangereignisse (Stilrichtungen etc.) angewendet. Dabei soll es sogar möglich sein, das gesamte Klangereignis einer Aufnahme oder Live-Darbietung auf die wesentlichen musikalischen Parameter (Basslinie, Akkordfolgen, Melodie) der Komposition zu reduzieren / herunterzukürzen und eine Komposition in fast jedem beliebigen Arrangement, in fast jeder beliebigen Version, Tempo, Tonart zu erkennen. Die Trefferquote soll derzeit bei über 98 Prozent liegen.
 
Frage 1.2.
Ab wie vielen identischen Sekunden wird ein Take als identisch getrackt?
 
Antwort 1.2
Es wird immer der gesamte Take in voller Länge gescannt. Trotzdem reichen typischerweise 2 - 3 Sekunden, laut BMAT.
 
Frage 1.3.
Ab wann (Länge in sec) wird ein identischer Take bzw. eine identische Musikstrecke in zwei ansonsten vom Score völlig unterschiedlichen Filmen getrackt, z.B. bei einer wiederholten Verwendung eines bestimmten Takes in zwei unterschiedlichen Serienfolgen?
 
Antwort 1.3
Es wird immer der gesamte Take in voller Länge gescannt.
 
Frage 1.4.
Wie wird er dann zugeordnet, wenn er nicht als Einzelstück gemeldet ist, sondern als Teil des Score Roll Ups?
 
Antwort 1.4
Er sollte als Einzelstück gemeldet und hochgeladen worden sein.
(Siehe auch 3.1)
 
Frage 1.5.
Andersrum: Was passiert bei IT-Fassungen, bei denen alles identisch ist bis auf einige Takes?
 
Antwort 1.5
Das ist noch nicht geklärt ("still an open issue").
 
Frage 1.6
Wie reagiert das System auf überlappende oder parallele Musiken, z.B. Score über Source?
 
Antwort 1.6
Im Moment präferiert das System die lauteste Musik. Über eine angepasste Technologie wird aber nachgedacht. Fehlende Musiklängen müssen durch Sender-Mitarbeiter bestätigt und nachgemeldet werden. Ein Prozess der sich aber erst noch einspielen muss. Für diesen und weitere Konfliktfälle wird gerade eine gemeinsame Kommission zwischen GEMA und den Sendern an den Start gebracht, die verbindliche und effiziente Vorgangsweisen erarbeiten soll.
 
Frage 1.7.
Wie oft bzw. in welchen Abständen wird z.B. innerhalb eines 90-Minüters gescannt?
 
Antwort 1.7
Es wird nicht punktuell, sondern ununterbrochen gescannt.
 
Frage 1.8.
Was passiert mit Musikstrecken, die bei zwei voneinander unabhängigen Urhebern identisch sind? Z.B. durch die Benutzung der gleichen Libraries, (Apple) Loops, Construction Kits?
 
Antwort 1.8
Es wird eine sukzessive erweiterbare "Black List" von häufig auftretenden, kurzen, identischen Klangereignissen angelegt, die von vielen unterschiedlichen Urhebern in ihren Soundfiles genutzt werden. Diese werden vom Scan ausgenommen.
 
Frage 1.9.
Was passiert, wenn in der Filmmischung veränderte Versionen entstehen (Cuts, Verlängerungen, Loops, Überblendungen, Stem-Mixes) bzw. vom Sound Design überlagert werden? Wie weit erkennt das Tracking noch die ursprüngliche Version wenn nicht das Mix-File upgeloaded wurde?
 
Antwort 1.9
Das System kann auch gekürzte, verlängerte, bearbeitete Versionen mit dem Original-Soundfile matchen und sie so erkennen. Es wird dann die tatsächlich im Film verwendete Dauer gescannt und abgerechnet.
 
Frage 1.10.
Spielt die Abspielgeschwindigkeit eine Rolle? (Kino-Filme mit 24 Frames per second werden im TV mit 25 fps (PAL) abgespielt und werden dadurch um ca 4% verkürzt, die Audiofiles entsprechend um 71 Cent nach oben „transponiert“)
 
Antwort 1.10
Die Abspielgeschwindigkeit 24 oder 25 fps wird jeweils korrekt erfasst. Die tatsächliche Spieldauer wird abgerechnet.
 
Frage 1.11.
Wie verhält es sich generell technisch mit dem Thema Pitchshift / Temposhift und der Erkennung? Kann z.B. ein Werk, das einen Ton höher / 15 % schneller  wird, eine Variation sein oder nicht?
 
Antwort 1.11
Pitchshift und Temposhift hindern das System nicht daran, das Soundfile richtig zu erkennen.
 
Frage 1.12.
Ist das Tracking bei 128 oder 256 kbps (mp3) noch verlässlich?
 
Antwort 1.12
Ja. Trotzdem empfiehlt die GEMA, keine mp3, sondern WAV (44,1 / 48 kHz, 16 / 24 bit) oder ähnlich hohe Qualität hochzuladen, auch im Hinblick auf eine womöglich später vom Mitglied gewünschte Weitergabe zu Streamingportalen etc.
 
Frage 1.13.
Ist Mono ein Problem? (z.B. im Fall, dass der Filmtonmeister einen Stereo-Track zur besseren Ortung in Mono konvertiert)
 
Antwort 1.13
Nein. Mono ist kein Problem.
 
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